Das Buch Jesaja eröffnet die Reihe der Prophetenbücher. Der Prophet Jesaja lebte im 8. Jh. v. Chr. in Jerusalem. Er warnte den damaligen König vor einem Bündnis gegen Assyrien. Von ihm stammt jedoch nur der Kern des gleichnamigen Buches. Über lange Zeit fügten seine Nachfolger weitere Texte hinzu. Der zweite Teil des Jesajabuches (Kapitel 40-55) entstammt der Zeit des babylonischen Exils (6. Jh. v. Chr.) und spricht den Verbannten neuen Mut zu. Diese Texte entfalten den strengen Eingottglauben: Israels Gott ist Herr der ganzen Welt und ihrer Geschichte. Der dritte und jüngste Teil des Buches (Kapitel 56-66) wendet sich an die aus dem Exil Heimgekehrten. Er schließt mit der Hoffnung auf die Erschaffung eines neuen Himmels und einer neuen Erde.
Diese kurze Schrift besteht aus fünf poetischen Texten, in denen der Verfasser Trauer und Bestürzung über die Zerstörung Jerusalems und des Tempels zum Ausdruck bringt. Nach alter Überlieferung stammen diese Lieder von Jeremia. Deshalb fanden sie ihren Platz hinter dem Jeremiabuch. Die moderne Forschung lehnt diese Zuschreibung aber ab. Die Botschaft des Verfassers ist: Juda hatte schwer gesündigt, deshalb hat Gott zur Strafe die babylonische Armee geschickt und das Land verwüsten lassen. Jerusalem erscheint im Bild einer erniedrigten und ihrer Kinder beraubten Frau, die im Schmutz sitzt und das Ziel des Spotts ihrer Feinde ist. Doch die Klagelieder belegen trotz alledem die Hoffnung, Gott werde sich seinem Volk wieder zuwenden und seiner Not ein Ende machen.
Für das Buch Jeremia gilt das Gleiche wie für die meisten prophetischen Schriften des Alten Testaments: Sie gehen auf eine geschichtliche Gestalt zurück, enthalten aber auch viele Texte, die erst später entstanden sind. Jeremia wirkte in den Jahren vor der Zerstörung Jerusalems und dem babylonischen Exil. Er wird als ein Mann geschildert, der wegen seiner kritischen Worte Anfeindungen ausgesetzt war und viel zu leiden hatte. Nicht nur seine Predigten, auch seine Lebensführung drückten eine Botschaft aus. Er verzichtete zum Beispiel auf die Gründung einer Familie und wollte damit verdeutlichen: Angesichts des bevorstehenden Unheils haben Kinder keine Zukunft. Doch das Buch enthält auch positive Botschaften, darunter die Ankündigung des neuen Bundes zwischen Gott und seinem Volk.
Baruch war der Sekretär des Propheten Jeremia. Er soll das gleichnamige Buch zu Beginn des Exils in Babylon geschrieben und nach Jerusalem gesandt haben. Doch in Wirklichkeit muss das Werk wesentlich später entstanden sein - vielleicht erst im 1. Jh. v. Chr. Es enthält zuerst ein Schuldbekenntnis, welches das Exil als Konsequenz für die Missachtung der göttlichen Gebote deutet. Darauf folgt eine an Gott gerichtete Bitte um Vergebung. Wie schon im Buch Jesus Sirach, wird auch hier die göttliche Weisheit, die sich in der Schöpfungsordnung manifestiert, mit dem Gesetz des Mose gleichgesetzt. Das Schlusskapitel polemisiert gegen die Verehrung von Götterstatuen in heidnischen Kulten. Wer solche Machwerke aus Menschenhand verehrt, ist töricht.
Der Priester Ezechiel zählte zu den ersten, schon im Jahr 596 v. Chr. nach Babylon verschleppten Judäern. In der Verbannung erfuhr er seine Berufung zum Propheten. Seine in drastische Bilder gekleideten Botschaften kündigten die Zerstörung Jerusalems als Strafe Gottes für die Sünden des Volkes an. Wenige Jahre später wurde das Wirklichkeit. Nun spricht Ezechiel vom neuen Heil für Israel: Das Volk wird aus der Verbannung zurückkehren, ein neuer Tempel erstehen und das Land neu verteilt werden. Ezechiel schildert dieses Wiederaufleben Israels in einer Vision: Über eine Ebene sind Skelette verstreut, die wieder mit Fleisch überzogen und zum Leben erweckt werden. So wird Gott sein Volk mit neuem Leben erfüllen.
Vom Propheten Hosea lesen wir zu Beginn des gleichnamigen Buches, dass er auf Gottes Wort hin eine untreue Dirne zur Frau nahm und mit ihr Kinder zeugte. Diese Kinder erhalten u.a. die Namen "Kein Erbarmen" und "Nicht mein Volk". Trotz der Untreue seiner Frau erhält Hosea den Auftrag, bei ihr zu bleiben. Diese Handlungen symbolisieren das Verhältnis Gottes zu Israel: Dieses ist wie eine untreue Frau, die Gott, ihren Gemahl, mit anderen Gottheiten betrügt. Die Kritik richtet sich vor allem gegen die kanaanäischen Fruchtbarkeitskulte. Doch Gott hält in seinem großen Erbarmen an Israel fest. Deshalb steht am Ende des Buches Hosea der Ausblick auf eine zukünftige Heilszeit, die mit Bildern vom Blühen und Sprossen der Vegetation illustriert wird.
Diese Schrift erzählt von Daniel, einem jungen Juden, der am Hof in Babylon ausgebildet wurde und lebt. Inmitten der heidnischen Umgebung bewahrt er seinen Glauben und wird von Gott mit dem Empfang und der Deutung von Träumen und Visionen begabt. Inhalt seiner Visionen sind verschlüsselte Informationen über den Ablauf der Weltgeschichte: Nach dem Ende der großen und gewalttätigen Weltreiche wird die Herrschaft auf die Israeliten übergehen. Daniel und seine Freunde sind auch unter Drohungen nicht bereit, ihren israelitischen Glauben aufzugeben. Gott rettet sie dafür vor dem sicher scheinenden Tod im Feuerofen und in der Löwengrube. Ihr Verhalten weist sie als Vorbilder für Juden aus, die angefeindet unter fremder Herrschaft leben müssen.
Die Schrift des sonst unbekannten Propheten setzt mit der Schilderung einer verheerenden Heuschreckenplage ein, die der Landwirtschaft schwere Schäden zugefügt hat. Diese Notsituation erscheint dem Autor als Vorbote des göttlichen Gerichts am "Tag des Herrn". Deshalb ruft er das Volk zu einem Bußgottesdienst auf, begleitet von Fasten und persönlicher Umkehr. Gottes Antwort auf die Umkehrbereitschaft seines Volkes besteht im Aufhören der Plage und reichen Ernteerträgen. Der zweite Buchteil widmet sich ausschließlich dem kommenden "Tag des Herrn", wenn Gott die Völker richten und seinen Geist über ganz Israel ausgießen wird. Die Pfingstpredigt des Petrus in der Apostelgeschichte greift diesen Text auf.
Amos war von Beruf Landwirt. Um ca. 760 v. Chr. begann er, im Nordreich Israel prophetische Worte zu verkünden. Damals blühte Israel wirtschaftlich. Der Reichtum befand sich jedoch in den Händen einer dünnen Oberschicht, die auf Kosten der einfachen Leute im Luxus lebte. Deshalb übt Amos scharfe Gesellschaftskritik. Er klagt die Reichen an, bestechlich zu sein und die Armen bei Gericht zu benachteiligen. Die kleinen Leute müssen Steuern zahlen und geraten leicht in Schuldknechtschaft. Angesichts dieser Vergehen lehnt Gott die religiösen Feste und Opfer der Reichen ab; wahre Frömmigkeit verwirklicht sich im Bemühen um soziale Gerechtigkeit. Nach der Drohung mit dem Gericht am "Tag des Herrn" schließt das Amosbuch mit einem Ausblick auf das künftige Heil.
Diese Schrift ist der kürzeste Text des Alten Testaments. Sie stammt vom sonst unbekannten Propheten Obadja. Seine Worte gliedern sich in zwei Abschnitte: Der erste behandelt das göttliche Strafgericht über das Volk Edom. Die Edomiter gelten in der Bibel als Nachkommen Esaus, des Bruders Jakobs. Diese legendäre gemeinsame Abstammung drückt das Bewusstsein der Verwandschaft der beiden Völker aus. Doch weil die Edomiter bei der Eroberung Judas durch die Babylonier die Feinde der Judäer unterstützten, wird ihnen nun Vergeltung angekündigt. Der zweite Teil des Buches Obadja weitet das Gottesgericht auf alle Völker aus und schließt dann mit dem Ausblick auf die zukünftige Größe Israels.
Jona soll im Auftrag Gottes der heidnischen Stadt Ninive das Strafgericht ankündigen. Doch der Prophet flieht auf einem Schiff. Er weiß nämlich von Gottes Barmherzigkeit: wieso also das Gericht predigen, wenn Gott am Ende Gnade vor Recht ergehen lässt? Das Schiff gerät in einen Sturm, der erst aufhört, als die Seeleute Jona ins Meer werfen. Von einem Fisch verschluckt und nach drei Tagen an Land gespien, muss Jona nun doch in Ninive predigen. Die Stadt bekehrt sich von ihrer Schlechtigkeit, und Gott lässt das Unheil nicht über sie kommen. Das verdrießt Jona so sehr, dass er sterben möchte. Am Ende des Buches steht die Frage Gottes, ob Jonas Zorn rechtens sei. So kritisiert das Buch Jonas Zweifel am Heilswillen Gottes für alle Menschen.
Das große und einzige Thema des Buches Nahum bildet die Zerstörung von Ninive. Diese Stadt war lange Jahre Hauptstadt des mächtigen assyrischen Reiches, das 722 v. Chr. das Nordreich Israel eroberte und Teile seiner Bevölkerung deportierte. Angesichts des Untergangs Ninives im Jahr 612 v. Chr. hält Nahum der Stadt und den Assyrern ihre schweren Vergehen vor. Aus Habsucht und Raffgier haben sie auf brutale Weise andere Völker unterdrückt. Deshalb kommt nun ihr Ende, das der Prophet als Tat des strengen und vergeltenden Gottes versteht. So bedeutet der Zusammenbruch Ninives für Juda ein freudiges Ereignis, denn damit ist eine Quelle von Unterdrückung und Leid für Israel und andere Völker versiegt.
Der Prophet Micha wirkte im späten 8.Jh.v.Chr. Ähnlich wie Amos geißelte er in scharfen Worten die führenden Kreise Israels und Judas wegen ihrer unsozialen Praktiken. So heißt es, die "Beamten fordern Geld, und die Richter sind für Geld zu haben". Auch Propheten und Priester fordern Bezahlung für ihre Dienste. Wegen dieser Missstände droht Micha die Zerstörung Jerusalems an. Neben dieser Gerichtspredigt enthält das Buch Heilsverheißungen. Bekanntheit erlangte die Erwartung eines aus Betlehem stammenden messianischen Herrschers, die bei Matthäus auf Jesus übertragen wurde. Die geforderte rechte Lebensführung beschreibt Micha so: "Recht tun, Güte und Treue lieben, in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott."
Im ersten Teil des Buches tritt Habakuk in einen Dialog mit Gott. Er fragt, wie lange Gesetz und Solidarität in Juda noch missachtet werden. Gott antwortet, er werde bald zur Strafe die Babylonier (= Chaldäer) schicken. Nochmals wendet sich Habakuk an Gott, diesmal mit dem Problem des Wohlergehens der Frevler. Gott antwortet, zuletzt würden nur die Gerechten wegen ihrer Treue am Leben bleiben. In den anschließenden vier Weherufen nimmt der Prophet das den Babyloniern bevorstehende Unheil vorweg. Auch dieses Volk, jetzt Gottes Werkzeug zum Vollzug des Strafgerichts an Juda, wird wegen seiner Gewalttat keinen Bestand haben. Im abschließenden Psalm besingt Habakuk die überlegene Macht Gottes, der sein Volk aus der Hand der Feinde retten wird.
Zefanja wirkte nach Ausweis der Überschrift im späten 7. Jh. v. Chr zur Zeit des Königs Joschija. Das auf ihn zurückgehende Prophetenbüchlein beginnt mit Ankündigungen der Zerstörung Judas als Folge des Götzendienstes. Das Lied über den "Tag des Zornes des Herrn" weitet die Perspektive auf alle Bewohner der Erde. Darauf folgen Gerichtsworte über Israels Nachbarvölker, abgeschlossen von Weherufen über Jerusalem. Wie die meisten prophetischen Schriften im Alten Testament, so endet auch Zefanja nicht mit düsteren Visionen des Unheils, sondern einem Ausblick auf die heilvolle Zukunft. Der verschonte Rest Israels wird, demütig und arm, kein Unrecht mehr begehen. Auch die anderen Völker werden schließlich zum Gott Israels finden.
Die fünf prophetischen Botschaften des Haggai, genau datierbar ins Jahr 520 v. Chr., haben die Lage im nachexilischen Jerusalem vor dem Wiederaufbau des Tempels als Hintergrund. Die Menschen leiden unter dürrebedingten Missernten, was Haggai als Wink Gottes versteht, doch endlich sein Haus, den Tempel, wiederzuerrichten. Die Bewohner Jerusalems folgen den Worten des Propheten und machen sich an die Arbeit, angeführt vom Hohenpriester Jeschua und vom Statthalter Serubbabel. Mit letzterem verband Haggai sogar messianische Hoffnungen. Gott habe ihn erwählt und werde ihn zu seinem "Siegelring" machen, nachdem er die Herrscher der Völker zu Fall gebracht und ihre militärische Macht vernichtet hat.
Der erste Teil des Buches Sacharja geht auf den gleichnamigen Propheten zurück, der ein Zeitgenosse Haggais war. Im späten 6. Jh. v. Chr. sprach er den aus dem babylonischen Exil nach Juda Zurückgekehrten angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage Mut zu. In einem Zyklus von acht Visionen vermittelt Sacharja die Botschaft: Gott hat seinem Volk seine Sünden vergeben, wendet sich ihm erneut zu und schützt es vor den Feinden. Der später entstandene zweite Teil (Kapitel 9-14) besteht aus Visionen über das Handeln Gottes zum endgültigen Heil für die Juden, wenn sie von ihren Bedrängern befreit werden. Die Verse über den kommenden Friedenskönig (Sach 9,9-10), der gerecht und demüig sein und auf einem Esel reiten wird, wurden später auf Jesus übertragen.
Es besteht Unklarheit darüber, ob Maleachi (übersetzt "mein Bote") der Name des Autors dieser Schrift ist oder lediglich seine Tätigkeit bezeichnet. Zu den Themen des Buches Maleachi zählt die Kritik der nachlässigen Gottesverehrung durch die Priester. Auf die Kritik an Mischehen zwischen Juden und Frauen anderer Völker folgt die Ermahnung, die eigene jüdische Frau nicht zu verstoßen. In 3,1 spricht der Prophet von einem Boten, der für Gott den Weg bahnen wird. Diese Aussage wurde im Neuen Testament auf Johannes den Täufer als den Wegbereiter Jesu bezogen. Auch die "Sonne der Gerechtigkeit" interpretierte man als Hinweis auf Christus.
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