Ijob
(Ijob)
Das Buch Ijob behandelt die Frage des Leidens Unschuldiger. Ijob ist ein ebenso reicher wie gerechter und gottesfürchtiger Mann. Aufgrund einer Wette zwischen Gott und dem Satan treffen ihn alle Arten von Unglück: Er verliert Besitz, Kinder und Gesundheit. Drei Freunde besuchen ihn in seinem Leid. Doch ihre Worte bedeuten keinen echten Trost für Ijob: Sie sind der Meinung, er müsse gesündigt haben, sonst hätte ihn nicht Unheil getroffen. Ijob lehnt diese Erklärung für seine Situation entschieden ab: Er ist sich keiner Schuld bewusst und hadert mit Gott. Dieser erscheint Ijob im Wettersturm und macht klar: Der Mensch kann Gottes Wege nicht begreifen. Am Ende kehrt das Glück zu Ijob zurück: Er wird gesund und neuerlich Vater. Sein Besitz wird noch größer als vor dem Unglück.
Psalmen
(Ps)
Das Psalmenbuch besteht aus 150 Einzeltexten. Diese stammen aus unterschiedlichen Epochen und Situationen im alten Israel. Zuerst gab es kleinere Teilsammlungen, bevor diese um 200 v. Chr. zur heutigen Form vereint wurden. Inhaltlich decken diese Lieder bzw. Gedichte vielfältige Lebenssituationen ab: Es finden sich Klagelieder und Loblieder von Einzelpersonen, Betrachtungen über Gottes Schöpfung und sein Wirken in der Geschichte, Gesänge für den Tempelkult in Jerusalem, weisheitliche Texte usw. Im Neuen Testament kommt den Psalmen eine große Bedeutung zu: Kein anderer Teil des Alten Testaments wird so häufig zitiert. Seit der frühen Kirche spielen die Psalmen eine zentrale Rolle im Gottesdienst der Kirche. Sie sind die biblischen Gebete schlechthin.
Sprichwörter
(Spr)
In dieser biblischen Schrift finden wir eine Fülle von Lebensweisheiten. Darunter sind so bekannte Sprichwörter wie "Wer (andern) eine Grube gräbt, fällt selbst hinein". Ähnliche Sammlungen in Sprüche gegossener Lebenserfahrung sind aus dem ganzen Alten Orient bekannt. Für den Autor des Buches der Sprichwörter bleibt die menschliche Weisheit immer an Gott gebunden. Es geht darum, die vom göttlichen Schöpfer in die Welt hineingelegte Ordnung zu erkennen und nach ihr zu leben: "Gottesfurcht ist der Anfang der Erkenntnis." Neben kürzeren Sprüchen enthält diese Schrift auch längere Unterweisungen über die Bedeutung der Weisheit. Sie erscheint als weibliche Person, der eine Mittlerstellung zwischen Mensch und Gott zukommt.
Kohelet
(Koh)
Diese Schrift sticht unter den biblischen Texten heraus. Sie erinnert stark an die Betrachtungen von griechischen Philosophen über den Lauf der Welt und die rechte Lebensführung. Tatsächlich stellt das Buch Kohelet einen außergewöhnlichen Versuch dar, die israelitische Religion mit griechischem Denken zu verbinden. Eine skeptische Grundhaltung prägt das Werk: Der Mensch kann in seinem kurzen Leben den letzten Sinn des Daseins nicht ergründen. Seine Aufgabe ist es, die im Jetzt sich bietenden Möglichkeiten zu tatkräftigem Handeln zu nützen. Man soll das von Gott gegebene Leben genießen - im Wissen darum, dass Alter und Tod am Ende warten. Kohelet kennt keine Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod.
Das Hohelied
(Hld)
Das Hohelied ist eine einzigartige Erscheinung unter den Schriften der Bibel. Es besteht aus einer Sammlung von Liebesliedern aus dem alten Israel. Eine junge Frau und ihr Freund sprechen abwechselnd von ihrer Zuneigung füreinander und der Spannung zwischen Ferne vom Geliebten und Vereinigung mit ihm. In vielfältigen Vergleichen werden die Vorzüge des Partners auf typisch orientalische Weise gerühmt: Die Schenkel des Mannes gleichen "Marmorsäulen, auf Sockeln von Feingold", und die Frau erscheint "wie das Morgenrot, wie der Mond so schön". Die Aufnahme des Hohenliedes in die Bibel lässt sich auf seine symbolische Deutung zurückführen: Demnach handelt es eigentlich von Gottes Liebe zu seinem Volk, dargestellt im Bild der Liebenden.
Weisheit
(Weish)
Dieses Buch ist das jüngste des Alten Testaments; ein gebildeter Jude schrieb es im 1. Jh. v. Chr. in griechischer Sprache. Der Autor ist mit dem griechischen Denken vertraut. So porträtiert er die von Gott geschenkte Weisheit als Lehrerin der vier Kardinaltugenden (Klugheit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Tapferkeit). In einer Reihe von Beispielen entfaltet der Autor das Wirken der göttlichen Weisheit in der Geschichte Israels. Er stellt dabei das Schicksal der gerechten Israeliten jenem ihrer frevlerischen Feinde gegenüber. Das Buch der Weisheit bringt die Hoffnung auf die Unsterblichkeit der Gerechten zum Ausdruck. Der frühe Tod der Märtyrer beweist nicht ihre Ablehnung durch Gott, sondern führt sie zur Gemeinschaft mit ihm.
Jesus Sirach
(Sir)
Der Jerusalemer Schriftgelehrte Jesus, Sohn des Sirach, schrieb um 180 v.Chr. ein umfangreiches Werk, in dem er die altisraelitischen Unterweisungen über rechte Lebensführung und die Weisheit als göttliche Gabe aufgreift und weiterentwickelt. Als gläubiger Jude bekennt er: "Die Fülle der Weisheit ist die Gottesfurcht." Das Buch Jesus Sirach behandelt vielfältige Lebensfragen, z. B. Armut und Reichtum, Gesundheit und Krankheit, rechtes Verhalten zu den Mitmenschen etc. Der Verfasser identifiziert die Weisheit mit der Tora, dem Gesetz für das Volk Israel; es ist die universale Ordnung der Welt. Am Ende seines Werkes präsentiert Jesus Sirach die großen Gestalten der Geschichte Israels als von Weisheit erfüllte Vorbilder.
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